Wahrnehmung

Wahrnehmung ist ein hochkomplexer Vorgang an dem verschiedene Hirnbereiche miteinander beteiligt sind.
Die Wahrnehmung der Umwelt durch die verschiedenen Sinnesbereiche soll zu einer möglichst klaren Abbildung der Realität führen. Diesen Vorgang nennt man sensorische Integration. Die Aufnahme von Sinneseindrücken und ihre Verarbeitung im menschlichen Gehirn ist ein hochkomplizierter Vorgang.
Bei der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen unterscheidt man zwischen
  • Sehen
  • Hören
  • Riechen
  • Schmecken
  • Fühlen
Menschen kommen mit fertig ausgebildeten Augen und Ohren auf die Welt. Die Verschaltung dieser Organe in unserem Zentralcomputer ("Gehirn") ist jedoch noch nicht ausgereift. Die Verarbeitung dieser Sinnesreize erfolgt schrittweise und aufeinander aufbauend. Entscheidend hierfür sind vor allem die ersten zwei Lebensjahre. So kann zum Beispiel ein Neugeborenes seinen Blick nicht willentlich an einer bestimmten Sache festhalten. Der gewollte und gesteuerte Blickkontakt findet ca. sechs Wochen nach der Geburt statt.

Die Reifung des Gleichgewichtsystems verläuft über viele Monate. Hierfür müssen schrittweise die Stadien des Kriechens und Krabbelns, Aufsetzens und Aufstehens durchlaufen werden. Diese Entwicklungsschritte bauen aufeinander auf und können nicht ohne weiteres übersprungen werden. Das Gleichgewichtssystem ist deswegen so bedeutsam, weil die exakte Orientierung im dreidimensionalen Raum die unabdingbare Vorraussetzung für jede zielgerichtete und geschmeidige Bewegung ist. Wenn ein Ball vom Fußboden aufgehoben werden soll, reicht es nicht aus, ihn nur zu sehen. Es muss auch genau gesteuert werden können, welche Bewegungen nötig sind, um ihn erreichen. Wie schwierig dies sein kann, kennen Sie vielleicht von einem kleinen Alkoholrausch.

Die reinen Denkprozesse werden hiervon kaum berührt. Es finden sich eher Ungeschicklichkeiten in flüssigen Bewegungsmustern: Schwierigkeiten einen Ball zu fangen, Unsicherheiten beim Klettern, Unlust beim Malen oder Basteln. Später können dann auch Schwierigkeiten beim Lesen oder der Rechtschreibung auftreten. Die mangelnde Orientierung in den drei Dimensionen des Raumes (Oben/Unten, Links/Rechts, Vorne/Hinten) erschwert dann auch die Zuordnung auf schulischen Arbeitsblättern. Erkennbar wird dies wenn beim Lesen die Zeilen nicht eingehalten werden können oder bei schriftlichen Rechenaufgaben die Einteilungen verrutschen.

Diese Probleme werden Störungen der Sensorischen Integration genannt. Als Hilfestellung sind hierbei vielfältige Körperreize sinnvoll (Rutschen, Schaukeln, Klettern, Matschen, Barfuß laufen, Rumspringen). Je nach Schweregrad können auch Therapien notwendig sein.
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